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17.12.2017
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Wein ist dicker als Blut  
Shop
15.12.2017 15:29:54
 
Allein die Sätze von Adrian Carsini sind der Wahnsinn.
In meiner absoluten Lieblingsszene im Restaurant sagt er zu seiner Sekretärin: "Oh meine liebe Karen, ich flehe sie an nicht zu rauchen. Sie würden uns um ein erregendes Geschmackserlebnis bringen, durch die Bitterkeit ihres Tabaks."

Zwei Leben an einem Faden  
rkh1979
28.11.2017 01:02:28
 
Korrektur
Auf dem Wagen amerikanischer Bauart wurde ein Harttop mit roten Lampen und Sirenenattrape auf das Dach montiert, damit es wie ein Krankenwagen aussehen soll.
Anstatt "Ambulance" steht "Schaefer" dran

Zwei Leben an einem Faden  
rkh1979
28.11.2017 00:51:16
 
Was mich stark wundert ist, dass in der Anfangsphase der Krankenwagen, der den herzkranken Dr. Hideman transportiert, nicht die Aufschrift "Ambulanz" am Auto trägt so drin es steht der deutsche Name "Schaefer" am Auto. Beziehungsweise an dem Harttop, was augenscheinlich auf Eingang normales Auto draufgesetzt wurde.

Black Lady  
Tonio
19.11.2017 07:34:35
 
Während Täter oft nicht gesehen werden wollen, legt es die Täterin diesmal auf das Gegenteil an. Dies scheint Sinn zu ergeben, weil sie eine Kunstfigur ist, die „Black Lady“ (eher mangels Dunkelhäutigkeit eine „Lady in Black“, soviel zur Idiotie des deutschen Titels). Als verkleidete Edelprostituierte lässt sich die Täterin auf ein Spiel mit ihrem Freund ein, den das auch nicht verwundert, da die Dame eine erfolgreiche Sex-Therapeutin ist. Statt der Zunge (die Verweigerung des Zungenkusses bei gleichzeitiger Inaussichtstellung ist meisterhaft inszeniert wie gespielt) dringt dann aber eine Pistolenkugel in den Mann ein. Da Columbo im Kollegenkreis der Täterin ermittelt, dreht sich im Folgenden vieles um Sex. Eine gewisse Gratwanderung, die aber hervorragend gelingt, da die Folge weder offen versaut wird noch das Treiben diskreditiert. Columbo ist vielmehr auf sympathische Weise konservativ wie auch ambivalent. Nach seinem Liebesleben befragt, verweist er – natürlich – auf seine Ehe, grinst aber verschmitzt. Ist er verunsichert oder denkt er sich: „Es geht Euch alle doch nix an, dass ich mit Mrs. Columbo ein wunderbares Intimleben ohne Euren Schnickschnack habe“? Wir können nicht sicher sein. Ist das nicht herrlich? Wenn Brunnenfontänen zu Columbos Versuch, Tuba zu spielen, spritzen, mag dies sexuell konnotiert sein, ist aber hinreichend dezent, um auch als herrlich absurder Humor durchzugehen. Gelungen sind ferner die Szenen mit den herrlich spinnerten und reichlich komplexbeladenen Kollegen. Dass man bei sowas immer aufpassen muss, nicht den Bogen zu überspannen, ist klar. In dieser Folge gefällt mir das noch besser als in #40 – die mit den Intelligenzbestien, in denen selbige teils wirklich überzogen verschroben und bescheuert erscheinen: Columbo wird drei Mal um Rat gefragt und gibt drei Mal eine Antwort, die völlig nichtssagend ist, aus der die Fragenden aber jeweils das heraushören können, was sie wollen; und sie sind dankbar! Eine wunderbare Satire wider die Phrasendrescherei. Wobei diese Folge trotz gewisser grenzwertiger Albernheiten (Szene mit der osteuropäischen Putzfrau!) auch aus anderen Gründen recht weit oben rangiert, bietet sie doch neben der Satire und der üblichen Cleverness einen ansprechenden Psychokrimi. Die Kunstfigur wird nämlich zu einem zweiten Ich der Täterin, im Grunde zu einem zweiten und dritten Ich. Dies wird nicht nur in ihrem Schlussmonolog klar, sondern auch in vorherigen Szenen mit inszenatorischem Geschick, in denen vor allem Spiegel zum symbolischen Einsatz kommen. Teils geschieht dies eher beiläufig; besonders auffällig ist dies hingegen, wenn sich die Black Lady in zwei (!) Spiegelbilden streitet; mit sich selbst und mit der realen Person. Mindestens drei Seelen stecken in der Dame! Der Film hat aber so deutliche Fingerzeige gar nicht nötig; ihm gelingt es zudem, dies mit dem Kriminalfall zu verbinden. Man weiß zwar, dass nur eine Dame mit dem Opfer im Mordzimmer war, aber durch Blut- und Haaranalyse (falsches Blut, falsches Haar) stellt sich heraus, dass es drei gewesen sein müssten. Das passt ja irgendwie… Schließlich ist der Film auch optisch gut inszeniert, indem er die Werbeglanz-Erotik à la „Neuneinhalb Wochen“ mit Neo-Noir-Ästhetik verbindet. Vielleicht noch eine Winzigkeit besser geworden wäre er durch einen wirklichen Star, eine große Diva, in der Mörderinnenrolle. Um solche Stars war es in den Folgen ab 1989 bekanntermaßen schlechter bestellt als in denen bis 1978; vielleicht, weil es sie nicht mehr gab. Aber die wunderbare Faye Dunaway fiele mir da schon ein, die uns später glücklicherweise die großartige Folge 62 schenkte. Gleichwohl liegt eine inhaltlich wie inszenatorisch weit überdurchschnittliche Episode vor, 8 von 9 Punkten.

Tödlicher Jackpot  
Tonio
19.11.2017 07:34:35
 
Es fehlt nur das ganz kleine Quentchen, das mich wirklich elektrisiert und dazu führt, dass einige, ganz wenige Columbo-Folgen in die Spitzengruppe mit 9 Punkten kommen. Aber das ist schon ein guter bis sehr guter Film, dem vor allem gelingt, eine Balance zu halten, um die die späteren Folgen – mit meist gutem, aber doch unterschiedlichen Erfolg – stets bemüht sind. Durch die nunmehr stetigen 90 Minuten sowie den Wunsch, nach X Folgen noch etwas Neues zu bieten, müssen sich die Macher so einiges einfallen lassen, aber auch aufpassen, dass die Folgen weder zu spinnert noch zu ausufernd noch zu „columbofremd“ werden. Von den ca. 3/4 der bisher gesehenen Folgen ist dies diejenige, in der der Inspektor am spätesten auftritt, nämlich in Minute 32 (Europäische DVD-Laufgeschwindigkeit). Aber vorher kommt keine Langeweile auf, sehen wir doch in schönster Tradition die Geschichte und die Charaktere, die in den Mord münden. Und das ist ja nicht minder interessant als die Schrullen unseres Ermittlers. Hier bestechend, wie es um eine Mischung aus einem absurden Zufall und der nackten Gier bzw. dem Neid geht. Ein junger, mittelloser Fotograf möchte, dass seine Ex endlich die Scheidungspapiere unterzeichnet und sieht beim Besuch bei ihr, dass er den Lotto-Jackpot geknackt hat. 30 Millionen! Der gefällige Soundtrack verarbeitet gleich mal „We’re in the money“ (und am Ende auch „This Old Man“) und lässt den jungen Mann ziemlich ausrasten, der sofort wie von Sinnen einen (vergleichsweise kleinen) Teil des Geldes ausgibt. Und statt dass er sich sagt, „mit 15 Mille bin ich immer noch schweinereich“, gönnt er der Noch-Frau nix und schmiedet mit seinem Onkel einen Plan, der sich aber an der Börse verzockt hat und die Kohle ebenfalls gut gebrauchen kann. Mehr sei nicht verraten. Neben den üblichen gelungenen Detektionen und Kultfaktoren (allein Columbos Vorfahren beim Nobel-Autohaus, in dem der junge Mann einen sündhaft teuren Flitzer geordert hatte…) gibt es einen Hang zum Abgedrehten. Diesen mag ich oft grad in den späteren Folgen, wenn er – wie hier – nicht zu Albernheiten führt. Mittendrin offenbaren sich in #46 ff. gelegentlich menschliche Schwächen durch Macht, Gier, sexuelle Anziehung, und es wandeln sich Charaktere / lassen eine dunkle Seite erkennen, die man so nicht erwartet hatte (positiv aus der Frühzeit zu nennen wäre #7). Hier ist das beim Täter der Fall, der nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus sexuellen Gründen gehandelt hat. Und ein, zwei Szenen lassen erkennen, dass es nicht nur um das normale „Betrügen im Dreiecksverhältnis“ geht, sondern dass unser überlebendes Pärchen reichlich not*eil ist. Das ist genauso herrlich abgründig wie das schließliche Gegeneinander-Ausspielen durch Columbo. 8 Punkte.

Mord im Bistro  
Tonio
19.11.2017 07:34:35
 
Eine herausragende Folge, und wieder einmal ein auf angenehm amüsante, aber nicht zu alberne Art selbstreflexiver „Columbo“, bei dem die Serie fast ein wenig aus der Flimmerkiste tritt, um sich selbst zuzuschauen. Hätte nur noch gefehlt, dass à la Tukur-Tatort Peter Falk Peter Falk spielt, dem bei einem „Columbo“-Dreh ein Mord unterkommt. Immerhin gibt’s was Ähnliches und weist schon der Film-im-Film-Beginn auf die Meta-Ebene hin. Inspektor Lucerne, gespielt von Ward Fowler (William Shatner), ist so eine Art Columbo – allerdings mit großspurigerer Attitüde. Dass er auf witzige Art sogleich seinen Text verpatzt, mag andeuten, dass er es an Raffinesse mit dem Meister nicht wird aufnehmen können. Wenn er sich Scharmützel mit der eiskalten, ihm hoffnungslos überlegenen Produzentin, seiner Ex-Geliebten, liefert und anregt, der Mörder müsse einmal sympathischer gestaltet werden, da das Opfer ihn erpresse, ist die kommende Rollenverteilung klar (aber auch, dass „Columbo“ der „Lucerne“-Serie überlegen ist, da in Erstere der Typus der sympathischen Mörders bereits eingeführt wurde). Es kommt zur scheinbar perfekt geplanten Tat, zum üblichen Platzen Columbos in einen Dreh und zu den „kleinen Dingen, die stören und einfach nicht mehr aus dem Kopf wollen“. Und zu einem wahrhaft grandiosen Zusammenspiel zwischen Falk und Shatner, das ich Letzterem kaum auf diesem Niveau zugetraut hätte, musste er doch in der Enterprise-Pause aus dem Karrieretief heraus Schrottrollen wie in „The Devil’s Rain“ annehmen. Aber er ist in einer Liga mit Top-Mörder/innen wie Louis Jourdan und Ruth Gordon: Letztere, weil ebenfalls sympathisch, aber zu sehr damit kokettierend. Ersterer, weil Falk/Columbo und der Gegner sich in schönster Schnöseligkeitsüberbietung die Bälle unnachahmlich zuwerfen. Dabei werden die beiden und diesmal insbesondere Shatner aufs Beste vom Drehbuch unterstützt, ist doch die Rolle – worauf der Kommentator dieser Seite zu Recht hingewiesen hat – fast schon an der Grenze zur Schizophrenie, oder: Hier ist ein Serienstar, dem die Trennung zwischen Realperson und Rolle zunehmend zu entgleiten droht. So hat man bald den Eindruck, dass die zwei Meisterdetektive Columbo und Lucerne gemeinsame Sache gegen Fowler machen, vom dem Lucerne später ganz gern in der dritten Person spricht. Das verschafft der Figur eine tragische Abgründigkeit, ist aber auch in bester Columbo-Tradition, da es immer auch um Schauspielerei geht. Mörder inszenieren ihre Taten, ihre Opferrolle, ihr Trauern und den Toten, ihre falschen Spuren. Columbo inszeniert seine Schusseligkeit und sein Fragen um drei Ecken herum, was Fowler ihm hier sogleich auf den Kopf zusagt (wobei das Schöne an Columbo ist, dass ihm das so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass er selbst kaum noch weiß, was getrickst und was ehrlich ist). Es ist daher kein Zufall und oft besonders gelungen, wenn Columbo im Milieu der darstellenden Künstler ermittelt, denn um das Spielen einer Rolle geht es. Während z.B. in der England-Episode der zweiten Staffel der überführte Theatermime nur noch Shakespeare brabbeln kann (und die Episode auch ansonsten mit jeder Menge Shakespeare-Anspielungen gespickt ist), kann hier der Mörder nur noch einen auf Columbo bzw. Inspektor Lucerne machen. Dies ist hier erkennbar von Anfang an seine Tragik – die Darstellung ist großartig und stringent bis zum bitteren Ende. Aber denken Sie bitte jetzt nicht, dass sich der Mann selbst zugrunde richtet und Columbos Spürsinn nicht mehr gebraucht würde! Somit ist hier wirklich alles drin, was einen hervorragenden Columbo ausmacht. Gags am Rande wie ein falscher (weißer?) Hai im Studiobecken und die Schuhe, mit denen sich Fowler größer macht (es gibt auch eine versteckte Anspielung auf Falks eher knappen Körpermaße) sind nie Selbstzweck, sondern bringen die Diskrepanz zwischen Schein und Sein zum Ausdruck, um die es hier durchgängig geht. Eines hingegen ist Geschmackssache: In späteren Folgen wurde ein Wechsel der Ebenen manchmal filmästhetisch etwas extravaganter gestaltet, z.B. bei „Selbstbildnis eines Mörders“ und „Die vergessene Tote“. Ich mag das und grad diese beiden Episoden besonders gern. „Mord im Bistro“ kann man hingegen nicht umgekehrt vorwerfen, sich sowas nicht getraut zu haben. Er ist in Drehbuch und Schauspielführung wie Montage so geschickt, dass er Mätzchen nicht nötig hat. Höchstwertung!

Wenn der Schein trügt  
Tonio
14.11.2017 15:41:20
 
Hier werden keine kleinen Brötchen gebacken, dies ist von Anfang an klar. Selbst wenn man die allglatt-fiese Arroganz von Jack-Cassidy-Charakteren aus früheren Folgen nicht kennt, wird sie sogleich deutlich. Und als Meister-Illusionist ist der von ihm gespielte „Große Santini“ ein perfekter wie ebenbürtiger Gegner – natürlich nur fast, aber immerhin. Und dann ist er auch noch ein NS-Verbrecher! Was der Mann, der es aufzudecken gedenkt, mit dem Leben bezahlt. Die vertrackte Tatausführung, das hohe Kriminalitätspotenzial, die Raffinesse – eine diesmal besonders hohe Herausforderung, bei der es ein Genuss ist, zu sehen, wie Columbo sie annimmt. Obwohl ich grad auch manche Folge mag, in der der Held tatsächlich mal ins Straucheln zu kommen scheint und im Innersten seiner Seele verletzt wird (vor allem „Wer zuletzt lacht“ und „Ruhe sanft, Mrs. Columbo“), ist diese aus der Reihe „gewitzt überlegener Inspektor“ eine der besten. Neben der erwähnten großen Herausforderung gibt’s viel Liebe zum Detail. Beispielsweise erscheint Santini oft aus leichter Froschperspektive vor dem Vorhang seines Cabarets auch in scheinbar banalen Situationen wie einer, der nicht einfach da ist, sondern der auftritt. Die Bühne ist das Leben. Damit hat auch der Mord während eines Zaubertricks (!) zu tun. Der Freund der Tochter des Täters tritt als Sänger vor der Zaubershow auf und singt kaum zufällig „When we play La Charade“, was mehr als eine Hommage an „Charade“ (1963) mit Cary Grant und Audrey Hepburn ist. Der ultimative Brüller findet sich im mittleren Teil: eine Art Duell zwischen Columbo und Santini im Rahmen des Letzteren Show. Allein wie der Ermittler, obwohl Santini vorher schon seine Ablehnung bekundet hatte, durchdrückt, dass er als „Freiwilliger“ den großen Meister mit einem vorbereiteten Trick herausfordern darf, ist eine der geschicktesten Columbo-Nervereien der Serie. Dann der Clou: Columbo verliert – und hat gerade dadurch gewonnen, weil der Zauberer zwar die Handschellen knacken konnte, aber eben auch ein eigentlich unknackbares Schloss, das der Mörder geöffnet hatte. Santinis Eitelkeit ließ nicht zu, dass er vor Publikum suggerierte, Columbos Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Doppeldeutige Blicke und Sprüche in zwei für die Serie ungewöhnlich direkten Frontal-Großaufnahmen der Antagonisten bringen die Süffisanz auf den Punkt. Und hat uns vielleicht nicht nur Columbo, sondern sogar Peter Falk hier eine Illusion serviert, da nach meiner Beobachtung das zwinkernde Auge das Glasauge ist? Die Folge ist wirklich sehr aufmerksam inszeniert und gespielt und ich mag sie geringfügig lieber als den thematisch teils ähnlichen Guillotinen-Wiedereinstand (#46), in dem der Inspektor doch mitunter etwas großspurig und/oder umständlich auftrat. Dieser ist aber vielleicht sogar durch eine kleine Szene mit einer Zauber-Guillotine in der vorliegenden Folge angeregt worden. Weit über dem Durchschnitt – vielleicht mit der kleinen Einschränkung, dass die starken Antagonisten diesmal wenig Platz für starke Nebenfiguren lassen. Damit darf man es zwar auch nicht übertreiben, aber grad die späteren Folgen lassen insoweit gelegentlich ungeahnte Abgründe bei so manchem erkennen. Was würde z.B. die hübsche Tochter sagen und/oder tun, wenn sie von der Vergangenheit ihres Vaters erfährt? Wir erfahren sowas nicht, Columbo regelt den Fall allein. Nur auf einen kann er nicht verzichten: auf seinen Mantel, den er zugunsten eines neuen Mantels abgelegt hat, was zu wunderbaren Gags und natürlich gegen Ende zur Rückkehr des Trenchcoats führen wird. 8 von 9 Punkten.

Wenn der Schein trügt  
Tonio
14.11.2017 15:39:49
 
Hier werden keine kleinen Brötchen gebacken, dies ist von Anfang an klar. Selbst wenn man die allglatt-fiese Arroganz von Jack-Cassidy-Charakteren aus früheren Folgen nicht kennt, wird sie sogleich deutlich. Und als Meister-Illusionist ist der von ihm gespielte „Große Santini“ ein perfekter wie ebenbürtiger Gegner – natürlich nur fast, aber immerhin. Und dann ist er auch noch ein NS-Verbrecher! Was der Mann, der es aufzudecken gedenkt, mit dem Leben bezahlt. Die vertrackte Tatausführung, das hohe Kriminalitätspotenzial, die Raffinesse – eine diesmal besonders hohe Herausforderung, bei der es ein Genuss ist, zu sehen, wie Columbo sie annimmt. Obwohl ich grad auch manche Folge mag, in der der Held tatsächlich mal ins Straucheln zu kommen scheint und im Innersten seiner Seele verletzt wird (vor allem „Wer zuletzt lacht“ und „Ruhe sanft, Mrs. Columbo“), ist diese aus der Reihe „gewitzt überlegener Inspektor“ eine der besten. Neben der erwähnten großen Herausforderung gibt’s viel Liebe zum Detail. Beispielsweise erscheint Santini oft aus leichter Froschperspektive vor dem Vorhang seines Cabarets auch in scheinbar banalen Situationen wie einer, der nicht einfach da ist, sondern der auftritt. Die Bühne ist das Leben. Damit hat auch der Mord während eines Zaubertricks (!) zu tun. Der Freund der Tochter des Täters tritt als Sänger vor der Zaubershow auf und singt kaum zufällig „When we play La Charade“, was mehr als eine Hommage an „Charade“ (1963) mit Cary Grant und Audrey Hepburn ist. Der ultimative Brüller findet sich im mittleren Teil: eine Art Duell zwischen Columbo und Santini im Rahmen des Letzteren Show. Allein wie der Ermittler, obwohl Santini vorher schon seine Ablehnung bekundet hatte, durchdrückt, dass er als „Freiwilliger“ den großen Meister mit einem vorbereiteten Trick herausfordern darf, ist eine der geschicktesten Columbo-Nervereien der Serie. Dann der Clou: Columbo verliert – und hat gerade dadurch gewonnen, weil der Zauberer zwar die Handschellen knacken konnte, aber eben auch ein eigentlich unknackbares Schloss, das der Mörder geöffnet hatte. Santinis Eitelkeit ließ nicht zu, dass er vor Publikum suggerierte, Columbos Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Doppeldeutige Blicke und Sprüche in zwei für die Serie ungewöhnlich direkten Frontal-Großaufnahmen der Antagonisten bringen die Süffisanz auf den Punkt. Und hat uns vielleicht nicht nur Columbo, sondern sogar Peter Falk hier eine Illusion serviert, da nach meiner Beobachtung das zwinkernde Auge das Glasauge ist? Die Folge ist wirklich sehr aufmerksam inszeniert und gespielt und ich mag sie geringfügig lieber als den thematisch teils ähnlichen Guillotinen-Wiedereinstand (#46), in dem der Inspektor doch mitunter etwas großspurig und/oder umständlich auftrat. Dieser ist aber vielleicht sogar durch eine kleine Szene mit einer Zauber-Guillotine in der vorliegenden Folge angeregt worden. Weit über dem Durchschnitt – vielleicht mit der kleinen Einschränkung, dass die starken Antagonisten diesmal wenig Platz für starke Nebenfiguren lassen. Damit darf man es zwar auch nicht übertreiben, aber grad die späteren Folgen lassen insoweit gelegentlich ungeahnte Abgründe bei so manchem erkennen. Was würde z.B. die hübsche Tochter sagen und/oder tun, wenn sie von der Vergangenheit ihres Vaters erfährt? Wir erfahren sowas nicht, Columbo regelt den Fall allein. Nur auf einen kann er nicht verzichten: auf seinen Mantel, den er zugunsten eines neuen Mantels abgelegt hat, was zu wunderbaren Gags und natürlich gegen Ende zur Rückkehr des Trenchcoats führen wird. 8 von 9 Punkten.
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